Mit dem ersten Teil „Die deutsche Krankheit …“ des Buchtitels folgt der Verlag wohl leider dem medialen Hang zur Dramatisierung, anstatt die Situation German Angst“ und deren Konsequenzen in präzisere Worte zu fassen.
Genau das aber übernimmt die Autorin Sabine Bode sehr detailliert. Damit gibt sie auch Antworten auf die nachvollziehbare Frage, warum sich Menschen so lange nach Kriegsende überhaupt noch mit ’solchen‘ Themen beschäftigen. Sie zeigt damit auf, warum das Wissen um und die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen auch heute so wichtig ist. Es geht hierbei weniger um die Analyse der Vergangenheit, sondern um das Erkennen der Auswirkungen der Kriegsereignisse nicht nur auf die auf die seinerzeitige Generation, sondern auch auf die nachfolgenden. Und das macht das Thema noch viel interessanter.
Das Buch beginnt mit einer kritischen Bestandsaufnahme der Situation nach Kriegsende in Deutschland. Szenen aus dem Alltag in und nach dem Krieg beschreiben den Umgang mit den Kriegserlebnissen, das weit verbreitete Verdrängen und den Versuch des Vergessens.
Die fehlende Verarbeitung der Kriegserlebnisse zeigt vielfältige Wirkung, so zum Beispiel die Vermeidung von Emotionen, Oberflächlichkeit, Zurückgezogenheit, kein Zulassen von Nähe, Misstrauen aber auch Reaktionen wie Alkoholmissbrauch und Gewalt. Dies sind primär Reaktionsmuster der betroffenen Generation, haben aber auch gravierende Konsequenzen auf deren Kinder.
Hier zeigt sich, wie sehr Menschen dieser Generation im Denken, Fühlen und Handeln in der eigenen Vergangenheit gefangen und dadurch für’s Leben blockiert sein können. Eine Aufarbeitung des Erlebten hat in der Mehrzahl der Fälle sicherlich nicht stattgefunden, wodurch die Generation der Nachkriegsgeneration negativ in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst wurde.
Die Autorin betrachtet die Thematik noch detaillierter und legt den Fokus darauf, was die Nachkriegsgeneration(en) in ihrem Denken und Handeln lähmt und wie die Auswirkungen des Krieges auf die Nachkriegs- und die heutige deutsche Politik aussehen. In Konsequenz stellt sie die Frage nach den Folgen der Kriegserfahrung im Hinblick auf die unternehmerische und politische Kompetenz der Nachkriegsgeneration.
Abschließend folgt Sabine Bode wiederum den Auswirkungen der Geschichte Deutschlands, und zwar speziell den unterschiedlichen Nachkriegshistorien im geteilten Deutschland, dem Zusammenwachsen beider Teile nach dem Fall der Mauer und betrachtet das Selbstbewusstsein Deutschlands.
Zum Stichwort „Angst“: Nach wie vor werden die Begriffe „Angst“ und „Aufregung“ nicht unterschieden und als Fehlinterpretation mit fatalen Folgen an Kinder vermittelt. Oder die extreme Polarität in der Gesellschaft zwischen übertriebenem Beschützen-wollen der Kinder und andererseits der Überforderung in bzw. Verweigerung der Kindererziehung.
Inzwischen wage ich zu behaupten, dass die Thematik „German Angst“ und generell die nicht erkannten bzw. nicht verarbeiteten Kriegsfolgen, ihren Teil zum Entstehen des massiv auftretenden Phänomens „Burnout“ beiträgt.
Insofern hat die Auseinandersetzung mit diesen Themen nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich und für die folgende Generation einen unendlich hohen Wert.


