Balian Buschbaum – Blaue Augen bleiben blau

Balian Buschbaum skizziert in den ersten beiden Kapiteln rückblickend seine Kindheit und Jugend mit emotionaler Präzision und einer Klarheit, die ihm seinerzeit gefehlt hatte. Emotional intensive Situationen mit der Großmutter, die sich durch das gesamte Buch ziehen, die eher kühle Oberflächlichkeit im Umgang mit seiner Mutter und das kontinuierliche Suchen der eigenen Welt.

Perfektionismus nicht nur im Sport wird zum Ventil und Mittel, um entstehende Energie zu kanalisieren, sich eine eigene Welt mit hohem Anspruch an Leistung zu schaffen, es sich selbst zu beweisen und durch sportliche Erfolge gegenüber anderen zu bestehen. Perfektionismus in Person, nur um Anderssein zu kanalisieren und als Mensch in der wirklich eigenen Welt leben zu können. Die beim Stabhochsprung kurzen Momente des Fliegens geben ganzen Freiraum, das wahre Leben und mehr zu leben.

Balian Buschbaum ist offensichtlich kein Mensch der Beliebigkeit, des Mittelmaß oder der Komfortzone und es gelingt ihm, seine persönliche Entwicklung von Kinderzeiten bis hin zu dem authentischen Menschen Balian Buschbaum absolut tiefgründig zu beschreiben.

Seine Offenheit führt letztendlich dazu, die Sportkarriere nicht still, leise, heimlich zu beenden, sondern nach der salopp gestellten Frage „Warum lässt du dich nicht operieren?“ seine Transidentität und die geplanten nächsten Schritte öffentlich zu machen.

Mit dieser Offenheit und der daraus resultierenden breiten Akzeptanz und Unterstützung setzt ein dynamischer Veränderungsprozess ein, den er mit beindruckender Direktheit mit vielen Höhen und Tiefpunkten beschreibt.

Dabei zeigt der Satz „Diesen Schritt musst du allein gehen.“ völlig ungeschminkt die Einsamkeit mancher Entscheidungen, die mit einem klaren Ziel vor Augen trotz aufkommender Angst immer wieder konsequent umgesetzt werden.

Man rechnet nicht damit, dass sich die Thematik inhaltlich noch steigern lässt. In einem der letzten Kapitel stellt Balian Buschbaum in einem genialen gedanklichen Konstrukt die unterschiedlichen Denk- und Entscheidungsweisen von Frauen und Männern dar. Spannend ist, dass ihm die „Drei verborgenen Türen“ auf seinem Weg zu seiner neuen und wirklichen Identität mehr und mehr verloren gehen.

Um den Fragen, weshalb sich die Beschäftigung mit diesem Thema lohnt, vorweg zu kommen: „Der Weg zur Freiheit ist der Mut.“ Auch das steht im Schlusswort als Antwort zu genau dieser Frage.

Aus meiner Sicht schafft es Balian Buschbaum durch seine offene, emotional intensive und gleichzeitig tiefgründige Art, sehr viele Informationen und damit Verständnis zu vermitteln, auch wenn diese Thematik einen selbst nicht betrifft.
Darüber hinaus gelingt es ihm, intensive Impulse zu geben, die zum massiven Nachdenken anregen und die mehr oder weniger konsequente Art, Schritte im eigenen Leben zu gehen, in Frage zu stellen.

Historie:
22.06.2014 – erstellt
31.12.2028 – überarbeitet und ergänzt

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